Bibeltreu der Beste
Für eine Bewerbung in Kanada empfiehlt sich ein Zeugnis – Letter Of Recommendation genannt. Soweit so einfach. Allerdings gibt es offensichtlich – wie auch schon für den Cover Letter (das Anschreiben) – hierbei gewisse Regeln, die für Mitteleuropäer nicht ganz so einfach einzuhalten sind. Und es gibt natürlich auch für ein englischsprachiges Zeugnis Codes, die auf den ersten Blick positiv oder neutral klingen, in Wahrheit aber negativ ankommen. Grundsätzlich, so steht es in Arbeiten im Traumland Kanada solle man sich dabei an die Bibel halten…
Man solle sein Licht nämlich wie in Matthäus 5,15 beschrieben, “nicht unter den Scheffel stellen” also muss man sowohl über den Cover Letter als auch über den Letter Of Recommendation nachzeichnen, wie der aktuelle Arbeitgeber konkret von einem profitiert hat oder profitiert.
Für den Letter Of Recommendation, der nun in Zusammenarbeit mit meiner Chefin entsteht, bedeutet das zunächst einmal, die richtigen Floskeln zu finden. Wer nämlich glaubt, ein solches Zeugnis mit “This letter is in reference to…” beginnen zu können, hat sich getäuscht. Einen solchen Letter Of Recommendation sollte man tunlichst gleich gar nicht bestellen, denn das ist das Gegenteil einer Empfehlung. “I am pleased to write this letter of recommendation” ist dann immerhin schon ein neutraler (!!) Einstieg (der Einstiegssatz entscheidet bereits über Wohl und Wehe). Eine echte und starke Empfehlung – also ein erstklassiges Zeugnis – beginnt ganz locker und ungezwungen mit dem wunderbaren Satz “It is a genuine pleasure and honor for me to recommend.” Einfach herrlich. In dem Stil geht es dann nämlich weiter. Man darf dann Sätze wie “I would feel guilty to persuade him to stay” und – ganz floskelfrei – die Worte “goal-oriented“, “team player” und so weiter in einem halbwegs zusammenhängenden Text unterbringen.
Und man liest dann im fertigen Text, dass man einfach der Beste ist – und das ganz bibeltreu…
